Illegales Glücksspiel: Ab wann ist Glücksspiel legal?

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Deutschland ist das neue Paradies für illegales Glücksspiel. Die Folgen für Spieler und Staat können fatal sein. Eine gesetzliche Regulierung erscheint notwendig.

Illegales Glücksspiel wirksam bekämpfen

Glücksspiele liegen im Trend. Mal eben Fußball-Ergebnisse online tippen oder zu besonderen Anlässen die nächste Spielbank besuchen. Doch immer mehr Akteure fragen sich: Ist das alles erlaubt? Aus diesem Grund klären wir wichtige Fragen.

Illegales Glücksspiel: Unterschied legal zu illegalem Spiel

Zunächst: Alle Spiele um Geld können süchtig machen. Ohne Konzession handelt es sich aber um nichtlegales Spielen. Das kann zum Beispiel Bingo oder auch die Pokerrunde sein. Eine staatliche Spielbank verfügt hingegen stets über eine Konzession zum Spielen. Der Staat hat also die Oberaufsicht über Aktivitäten der jeweiligen Anbieter, das sogenannte „Glücksspielmonopol“.

Glücksspiele liegen im Trend. Egal ob Fußball-Ergebnisse online tippen oder zu besonderen Anlässen die nächste Spielbank besuchen. (#1)

Glücksspiele liegen im Trend. Egal ob Fußball-Ergebnisse online tippen oder zu besonderen Anlässen die nächste Spielbank besuchen. (#1)

Lotto oder Klassenlotterien sind erlaubt

Lotto 6 aus 49, Oddset, Keno oder die staatlichen Klassenlotterien verfügen ebenso über die staatliche Lizenz zum Spielen. Geregelt wird das alles im Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV), welcher der Prävention und Suchtbekämpfung einen hohen Vorrang einräumt. Laut § 284 Strafgesetzbuch (StGB) ist das Verbot von nichtkonzessionierten Glücksspielen eigentlich auch klar geregelt.

Trotzdem boomen Anbieter ohne Konzession: Diese veranstalten Wettspiele im Internet oder in privaten Wettbüros. Solche Veranstalter achten in der Regel nicht auf Suchtprävention oder ähnliche Vorgaben zum Schutz des Spielers. Gerade am Automaten oder bei Internetspielen bestehen hier zum Beispiel hohe Suchtrisiken.

Video: Illegales Glücksspiel im Internet: Experten fordern nationale Aufsichtsbehörde

Illegales Glücksspiel: Folgen der Spielsucht

Die Auswirkungen einer Spielsucht können tiefgreifend sein: Nach ersten Gewinnen wächst das Risikoverhalten. Gamer können nicht mehr beurteilen, ob sie spielen möchten oder nicht. Kontrollverlust kann eintreten.

Manche Spieler verzocken ihren ganzen Lebensunterhalt und können anschließend ihre Miete nicht mehr bezahlen. Auch soziale Kontakte werden als Folge einer Spielsucht häufig vernachlässigt. Und manchmal drohen sogar Strafen. Ein Münchner Gamer wurde wegen illegalen Glücksspiels vom Amtsgericht München im Januar 2015 zu einer Geldstrafe von 2100 Euro verurteilt. (Az.: 1115 Cs 254 Js 176411/13)

Es gibt also gute Gründe, illegales Glücksspiel zu bekämpfen:

  • Verhinderung einer zu starken Sucht nach Spielen und Wetten
  • Eine wirksame Prävention, um Spielsucht von Anfang an zu vermeiden
  • Das Angebot (z.B. an Automaten oder Casinos) zu reduzieren und damit die Versuchung zu spielen
  • Spezieller Schutz für Jugendliche und Heranwachsende
  • Bekämpfung von Kriminalität als Folge illegaler Glücksspiele

Tut der Staat genug?

Die Frage lautet deshalb: Kann der Staat seine Bürger wirksamer schützen, zum Beispiel mit Gesetzen? Zunächst einmal sorgte der Gesetzgeber nämlich für eine Liberalisierung. Und zwar mit dem Zweiten Staatsvertrag zur Änderung des Glücksspielstaatsvertrages (Zweiter GlüÄndStV). Er verschaffte damit einer begrenzten Anzahl von privaten Sportwetten-Anbietern legalen Zugang zum Markt. Eventuell hat diese Änderung auch zur wachsenden Entwicklung illegaler Systeme beigetragen.

Illegales Glücksspiel: Deutschland neuer Hotspot für ungesetzliche Online-Spiele

Denn das ist der eigentliche Skandal: Deutschland entwickelt sich inzwischen zu einer Hochburg für illegales Glücksspiel. In den letzten Jahren ist kein Gerichtsurteil gegen Veranstalter von Online-Spielen erfolgt, die das Betreiben oder die Reklame für nicht genehmigte Spiele für illegal erklärt hätte.

Poker, Bingo oder Wetten beim Fußball müssen einen juristisch sauberen Hintergrund haben. (#2)

Poker, Bingo oder Wetten beim Fußball müssen einen juristisch sauberen Hintergrund haben. (#2)

Illegales Glücksspiel: Im hohen Norden herrscht extremer Handlungsbedarf

In Schleswig-Holstein existiert sogar ein juristisches Schlupfloch des Glücksspielstaatsvertrages, so dass Casinos im Internet ohne wirkliche Folgen für illegale Spiele werben dürfen. Das ist hochproblematisch, weil das Suchtpotenzial speziell bei den Internet-Casinos extrem hoch ist. Negativ ist auch, dass die Verantwortung für die Regulierung des Glückspiels generell bei allen 16 Bundesländern und nicht alleine beim Bund liegt.

Experte warnt vor hohen Steuerverlusten

Auch deshalb ist Deutschland zu einem Hotspot für illegales Glücksspiel geworden, so Professor Tilman Becker, Leiter der bundesweit einzigartigen Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim. „Wer sich nicht an Regeln hält, wird faktisch belohnt und dem Staat entgehen Einnahmen von einer halben Milliarde Euro“, erklärte der Fachmann.

Es ist ja auch so einfach: Mit dem Smartphone schnell Einsätze machen ist ruckzuck erledigt. Vor allem im Vergleich zum „langsamen“ Lotto mit maximal zwei Ziehungen pro Woche. Illegales Glücksspiel sollte deshalb auch nach Meinung des Experten streng beobachtet und weitestgehend unmöglich gemacht werden.

Illegales Glücksspiel: Anbieter verdienen Milliarden

Denn die Folgen sind nicht nur für Spieler dramatisch: Dieser leidet psychisch und verliert häufig Geld. Aber auch dem Staat droht Ungemach. In Form hoher Steuerausfälle. Während die staatlich konzessionierten Lotterien immerhin 39 Prozent der eingesetzten Gelder an den Fiskus übertragen, schaufeln Betreiber nicht legaler Glücksspiele ihre Einnahmen ausschließlich in den eigenen Geldbeutel. Ein Milliardengeschäft!

Verbotene Pokerrunde? Das kann der Staat tun

Der Gesetzgeber sollte deshalb zwei Ziele haben: Die Pokerrunde, das Bingo oder Wetten beim Fußball müssen einen juristisch sauberen Hintergrund haben. Es ist gleichzeitig notwendig, die Spieler so weit wie möglich vor exzessiven Einsätzen und den Folgen ihrer Spielsucht zu schützen. So sind nach Schätzungen bereits heute halbe Millionen Menschen in Deutschland spielsüchtig. Tendenz steigend.

Lotto 6 aus 49, Oddset, Keno oder die staatlichen Klassenlotterien verfügen über die staatliche Lizenz zum Spielen. (#3)

Lotto 6 aus 49, Oddset, Keno oder die staatlichen Klassenlotterien verfügen über die staatliche Lizenz zum Spielen. (#3)

Illegales Glücksspiel: Rechtsprechung in der Zukunft

Die Online-Welt dreht sich immer rasanter. Für immer mehr Menschen ist es inzwischen völlig selbstverständlich, im Internet um Geld zu spielen. Und ständig kommen neue Internet-Glücksspiele auf den Markt.

Illegales Glücksspiel oder legale Angebote: Staat sollte bei Gewinnspielen generell vorsichtig sein

Parallel dazu wachsen die Gefahren vor den Folgen einer allzu großen Spielsucht. Der Gesetzgeber muss und wird deshalb handeln. Sowohl in der Bekämpfung nicht legaler Online-Spiele als auch bei den „normalen und legalen“ wie Lotto oder Pferderennen. Letztendlich kann es nicht das Ziel staatlicher Behörden sein, die Sucht nach dem Gewinn-Kick noch zu vergrößern.

Neue rechtssichere Urteile erwartet

In den nächsten Jahren wird es deshalb wohl neue wegweisende Urteile zu diesem Thema geben. Die hoffentlich für mehr Rechtssicherheit sorgen. Ein aktuelles Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom Oktober 2017 (BVerwG 8 C 18.16 und 8 C 14.16) macht Hoffnung. Es bestätigte das geltende Verbot von Spielen ohne Konzession.

Dennoch: Wie verhält es sich zum Beispiel zukünftig mit Game-Anbietern aus dem Ausland, wie mit deutschen oder EU-Firmen? Ist es möglich und wünschenswert, verstärkt private Computer für bestimmte Online-Spiele-Seiten zu sperren?

Illegales Glücksspiel: Eine nationale Behörde zur Bekämpfung

Und schafft es der deutsche Staat, eine einzige nationale Regulierungsbehörde zu installieren? Von der Beantwortung hängt ab, inwieweit sich die Formen nicht legaler Glücksspiele zukünftig entwickeln.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Phoenixns  -#1: nazarovsergey  -#2: nazarovsergey  -#3: ronstik

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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