Künstliche Intelligenz: Jobkiller oder Motor für die Beschäftigung?

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Die künstliche Intelligenz (KI) soll das Leben der Menschen einfacher und angenehmer gestalten. Viele Menschen fürchten jedoch in erster Linie, durch diese Entwicklung ihren Job zu verlieren. Doch kann KI auch neue Arbeitsstellen schaffen.

Automatisierung und künstliche Intelligenz gefährden zahlreiche Arbeitsstellen

Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Digitalisierung: All diese Begriffe stehen für Entwicklungen, die das Leben der Menschen in Zukunft stark beeinflussen werden. Insbesondere die Arbeitswelt wird davon betroffen sein. Die Folgen sind nach Ansicht vieler Beobachter jedoch alles andere als positiv. KI und Automatisierung könnten einen großen Teil der Arbeitsplätze einfach überflüssig machen.

Die Oxfod University hat beispielsweise eine Studie erstellt, nach der aufgrund dieser Entwicklung in den USA bis 2030 rund 47 Prozent der Arbeitsplätze verschwinden werden. Die sozialen Konsequenzen wären verheerend. Viele Menschen fürchten, dass dann nur noch Informatiker und andere hoch spezialisierte Fachkräfte eine Beschäftigung erhalten könnten. Der einfache Arbeiter würde dann jedoch kein Auskommen mehr finden.

Beispiele, die diese These bekräftigen sind sehr vielfältig. In den USA eröffnete Amazon beispielsweise einen Supermarkt, der vollkommen ohne Kassierer auskommt. Auf diese Weise fallen durch die Automatisierung viele Arbeitsstellen weg. Um diese Entwicklung zu beobachten, ist es jedoch nicht einmal notwendig, ins Ausland zu blicken. In der Nähe von Stuttgart errichtet die Daimler AG gerade die Factory 56 – eine Fertigungsanlage, in der Roboter die gesamte Arbeit übernehmen. Der Effekt ist übrigens nicht nur bei einfachen Arbeiten zu beobachten.

Viele Anwälte fühlen sich ebenfalls durch KI bedroht. Spezielle Programme für die Vertrags- und Prozessanalyse haben sich beispielsweise als sehr effizient erwiesen und in Tests deutlich bessere Ergebnisse erzielt, als ihre menschlichen Kollegen.

Video: Künstliche Intelligenz – Die Revolution kommt

Neue Jobs: Nicht nur für Informatiker

Dieses Szenario verursacht in breiten Teilen der Bevölkerung ein erhebliches Unbehagen. Zum einen fürchten viele Menschen starke soziale Probleme. Wenn nur noch die Hälfte der Arbeitsplätze erhalten bleibt und sich diese Stellen stark auf den Bereich Informatik konzentrieren, sind soziale Spannungen vorprogrammiert. Zum anderen könnten auch die regionalen Konflikte zunehmen. Im Bereich der künstlichen Intelligenz gibt es einige wenige Länder – in erster Linie die USA und mit Abstrichen China – die eine Führungsrolle einnehmen.

Wenn diese Technologie die gesamte Weltwirtschaft dominiert, kann das zu erheblichen Umschichtungen führen. Doch ist dies nur die eine Seite der Medaille. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass im Windschatten der künstlichen Intelligenz und der Digitalisierung auch viele neue Arbeitsplätze entstehen. Diese konzentrieren sich nicht ausschließlich auf die Informatik. Auch in vielen weiteren Bereichen entstehen neue Stellen, die den Arbeitskräften ein Auskommen bieten.

Kontrolle von Inhalten ist wichtig

Ein Beispiel für neue Jobs im Rahmen der Digitalisierung hat vor Kurzem Facebook geliefert. Das Unternehmen kündigte bereits Anfang 2018 an, 10.000 neue Stellen zu schaffen, um die Inhalte des sozialen Netzwerks zu kontrollieren. Vor dem US-Kongress erklärte Firmengründer Marc Zuckerberg, dass bis Jahresende 20.000 weitere Mitarbeiter hinzukommen sollen. Deren Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Inhalte daraufhin zu überprüfen, ob sie moralisch vertretbar sind. Hierfür kommen auch KI-Programme zum Einsatz, die die Inhalte analysieren.

Allerdings können diese bislang keine zuverlässigen Urteile fällen. Die Algorithmen sind nicht dazu in der Lage, zu erkennen, ob ein Beitrag gegen herrschende Moralvorstellungen verstößt oder ob es sich dabei um Kunst oder Satire handelt. Sie leisten zwar eine gewisse Vorarbeit, die endgültige Entscheidung muss jedoch nach wie vor ein Mensch treffen. Das ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie die Digitalisierung neue Arbeitsstellen hervorbringt, die auch für Nicht-Informatiker ein Beschäftigungsfeld bieten.

Künstliche Intelligenz ist lernfähig. (#01)

Künstliche Intelligenz ist lernfähig. (#01)

Trainer für künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist lernfähig. Allerdings verfügt sie zu Beginn nur über einen sehr geringen Kenntnisstand. Daher ist es notwendig, den Maschinen viele Dinge beizubringen. Hierfür kommen spezielle Trainer zum Einsatz. Auch das bietet die Möglichkeit eines neuen Betätigungsfelds. Die Aufgabe dieser Arbeitskräfte besteht darin, den Robotern die menschliche Sprache und die Gestik beizubringen. Außerdem ist es wichtig, ihnen zu vermitteln, wann sie Aussagen nicht wörtlich nehmen sollen – beispielsweise weil es sich um Sarkasmus handelt. Auch die Empathie stellt einen wichtigen Arbeitsbereich dieser Trainer dar. Auf diese Weise wird erreicht, dass die Roboter – genau wie Menschen – bei schwerwiegenden Problemen besonders verständnisvoll reagieren und die Betroffenen unterstützen.

KI in verschiedenen Ländern: Sprache und Kultur sind wichtig

Künstliche Intelligenz wird bislang in wenigen Zentren der Welt entwickelt, sodass viele Beobachter eine starke Monopolisierung der Arbeitsstellen befürchten. Doch auch hierbei gibt es Gründe, die gegen diese These sprechen. Beispielsweise findet die Kommunikation mit der künstlichen Intelligenz mittels der Sprache statt. Das führt dazu, dass es erforderlich ist, die Maschinen an den jeweiligen Sprachraum anzupassen. Hierfür sind Fachkräfte in den entsprechenden Ländern notwendig.

Darüber hinaus ist es wichtig, kulturelle Aspekte zu berücksichtigen. In einem sehr technikaffinen Land wie Japan kann ein Roboter beispielsweise eine ganz andere Verhaltensweise an den Tag legen als in einem Land wie Deutschland, das in dieser Hinsicht vergleichsweise konservativ ist. Um ihm die passenden kulturellen Verhaltensweisen beizubringen, ist eine Anpassung notwendig, die in den entsprechenden Ländern stattfinden sollte. Diese Aufgaben könnten eine allzu starke Zentralisierung verhindern und in vielen verschiedenen Regionen der Welt für neue Arbeitsplätze sorgen.

Video: Künstliche Intelligenz – Wann übernehmen die Maschinen?

Neue Gesetzgebung für Haftung im Bereich der künstlichen Intelligenz

Die künstliche Intelligenz bereitet auch vielen Anwälten und Richtern große Angst. In diesem Bereich gibt es bereits einige Programme, die viele Aufgaben sehr effizient übernehmen können. Ein Experiment der auf Jura spezialisierten Internet-Plattform LawGeex beispielsweise ließ sowohl mehrere Anwälte als auch ein KI-Programm verschiedene Vertragstexte überprüfen. Darin waren einige rechtliche Probleme enthalten, die die Anwälte und Maschinen erkennen sollten. Das Ergebnis war überwältigend: Das KI-Programm benötigte im Schnitt 26 Sekunden und erzielte dabei eine Genauigkeit von 94 Prozent.

Die menschlichen Kollegen hingegen benötigten durchschnittlich 92 Minuten für diese Aufgabe und erkannten dabei nur 85 Prozent der Probleme. Ähnliche Programme analysieren Gerichtsurteile und es gibt sogar einige Prototypen, die selbst Urteile fällen – selbstverständlich bislang ohne dabei in der Praxis zum Einsatz zu kommen. Obwohl diese Entwicklung für Juristen bedrohlich erscheinen mag, schafft sie auch neue Betätigungsfelder.

Beispielsweise ist die Haftung für künstliche Intelligenz sehr umstritten. Wenn ein Roboter einen Unfall verursacht ist es häufig nicht geklärt, ob dafür der Besitzer oder der Hersteller verantwortlich ist. Die Klärung dieser Fragen eröffnet ein ganz neues Betätigungsfeld, das vielen Juristen Arbeit bieten könnte.

Dass die künstliche Intelligenz und die Automatisierung eine erhebliche Bedrohung für die bisherige Arbeitswelt darstellen, steht außer Frage. (#02)

Dass die künstliche Intelligenz und die Automatisierung eine erhebliche Bedrohung für die bisherige Arbeitswelt darstellen, steht außer Frage. (#02)

Fazit: Neue Arbeit durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz ist möglich

Dass die künstliche Intelligenz und die Automatisierung eine erhebliche Bedrohung für die bisherige Arbeitswelt darstellen, steht außer Frage. Allerdings sind nicht alle Veränderungen als negativ zu bewerten. Sicherlich wird es bei diesen Prozessen zu starken Umwälzungen kommen, die viele Jobs gefährden. Allerdings entstehen dabei auch ganz neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Bereits die ersten Schritte in diesem Bereich haben gezeigt, dass schon viele Tausend Menschen in Bereichen tätig sind, deren Notwendigkeit sich noch vor wenigen Jahren wohl niemand vorstellen konnte.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: _ Phonlamai Photo -#01: _ Phonlamai Photo -#02: _ Phonlamai Photo

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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