Ghostwriting: Problematische Fremdleistungen

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Es ist so einfach: Man nehme etwas Geld in die Hand, biete es einer Agentur an und bekomme eine perfekte wissenschaftliche Abschlussarbeit. Dass das verboten ist, spielt wohl keine Rolle.

Studenten als Gedankendiebe

Unter Studenten ist das Ghostwriting besonders beliebt und sie sind auch die Nummer eins im Finden von Entschuldigungen. Das Semester war zu anstrengend, es mussten zu viele Hausarbeiten verfasst werden, Krankheit, Urlaub oder andere Abwesenheitsgründe verhinderten oft das Lernen. Meist wird es auf die fehlende Zeit geschoben, doch in Wirklichkeit dürfte es nicht selten ein gewisses Maß an Faulheit sein, sich in das gesetzte Thema genügend einzuarbeiten und dafür Sorge zu tragen, dass eine wissenschaftliche Arbeit entsteht.

Scheinbar fragt sich kaum noch jemand: Ist Ghostwriting erlaubt? Grundsätzlich gilt, dass ein Übernehmen fremder Texte nicht erlaubt ist – in dieser Art urteilten bereits mehrere Gerichte. Immerhin bereitet die Uni ihre Studenten auf das Anfertigen wissenschaftlicher Texte vor und erwartet zu Recht die Abgabe eigener Arbeiten. Zusätzliche Seminare werden angeboten, damit die Haus- oder Seminararbeit möglichst perfekt geschrieben werden kann, auch Schreibkurse sind möglich.

Allerdings sind es längst nicht nur Studenten, die Ghostwriter für sich arbeiten lassen. Auch Betreiber von Internetseiten, Journalisten oder neuerdings auch Youtuber gehen diesen Weg, wenn sie ein Buch veröffentlichen wollen.

Video: Ghostwriter – Kommt man mit gefaketen Hausarbeiten wirklich durch? || PULS Reportage

Youtuber als Auftraggeber für Ghostwriter

Immer mehr Youtuber bleiben nicht nur bei ihrem Blog oder Video, sondern verfassen ein Buch. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn mit einem Buch können Follower ein anderes Medium erhalten, es ihren Freunden zeigen, sich ins Regal stellen und immer wieder in die Hand nehmen. Ein Buch ist weniger flüchtig und schnell geschrieben. Doch hier liegt der Fehler, denn wer verbal etwas beschreiben kann, muss dazu noch längst nicht schriftlich in der Lage sein.

Viele Youtuber hegen zwar den Gedanken an das Schreiben eines Buchs zu ihrem Thema, wirkliches Talent als Autoren beweisen sie jedoch nicht. Da kommt rasch der Gedanke auf, einen Ghostwriter zu engagieren. Dieser übernimmt die Schreibarbeit, verfasst ein Buch zum gesetzten Thema und lässt seinen eigenen Namen gegen Bezahlung außen vor. Das ist nicht strafbar, sofern es sich nicht um ein Plagiat handelt. Youtuber müssen daher genau hinschauen, wem sie einen Auftrag erteilen und ob der ausgewählte Autor auch eine Plagiatsprüfung anbietet.

Viele Youtuber hegen zwar den Gedanken an das Schreiben eines Buchs zu ihrem Thema, wirkliches Talent als Autoren beweisen sie jedoch nicht. Da kommt rasch der Gedanke auf, einen Ghostwriter zu engagieren. (#01)

Viele Youtuber hegen zwar den Gedanken an das Schreiben eines Buchs zu ihrem Thema, wirkliches Talent als Autoren beweisen sie jedoch nicht. Da kommt rasch der Gedanke auf, einen Ghostwriter zu engagieren. (#01)

Verschiedene Arten des Betrugs

Einige Studenten suchen sich unter ihren Kommilitonen talentierte Schreiber aus und fassen deren Arbeiten zusammen. Daraus ergibt sich ein Text, der als der eigene ausgegeben wird. Doch das Umstellen von Sätzen oder das einfache Umformulieren macht noch längst kein eigenes Werk aus einem Text. Es zeugt nicht von der Einarbeitung in das Thema und schon gar nicht vom Verständnis desselben. Spätestens in einer mündlichen Prüfung stellen die Professoren fest, dass der Prüfling eigentlich keine Ahnung hat.

Dabei gibt es allerdings verschiedene Arten des Betrugs, wobei einige nicht wirklich als solcher zu bezeichnen sind, denn dann hätten Lektoren und Korrektoren ein Problem. Wer seine fertige Arbeit ins Lektorat gibt, bekommt sie korrigiert wieder. Die Fehlerfreiheit ist also nicht aus eigener Leistung entstanden und im Prinzip eine Fremdleistung. Dies ist erlaubt, vor allem im Rahmen eines Korrektorats. Schwieriger wird es bei einem Lektorat, das nicht nur die sprachliche, grammatikalische und rechtschreibliche Seite einer Arbeit betrachtet, sondern auch die inhaltliche.

Fehler in den fachlichen Aussagen können durch einen versierten Lektor korrigiert werden, der Student kann Anhaltspunkte für weitere Überlegungen erhalten. Hier stellt sich die Frage, ob auch diese Tätigkeit schon als Form des Ghostwritings gilt oder im Rahmen einer normalen Hilfestellung erlaubt ist. Immerhin muss der Autor seine Arbeit doch bis dahin selbst verfassen und kann keine fremden Texte übernehmen. Der Lektor darf im Grunde nur Anregungen geben, keine Textvorschläge leisten.

Einige Studenten suchen sich unter ihren Kommilitonen talentierte Schreiber aus und fassen deren Arbeiten zusammen. (#02)

Einige Studenten suchen sich unter ihren Kommilitonen talentierte Schreiber aus und fassen deren Arbeiten zusammen. (#02)

Gerichtsurteile zum Ghostwriting

Bisher gibt es verschiedene Gerichtsurteile zum Ghostwriting, wie etwas das Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 23.02.2011. Jeder erinnert sich noch an die Guttenberg-Affäre, angesichts dieses Plagiats war das Urteil scheinbar in den Medien völlig untergegangen. Es besagte, dass niemand die Arbeit eines wissenschaftlichen Ghostwriters für seine eigene ausgeben dürfe. Dennoch sei es erlaubt, den Tag „Diplomarbeit kaufen“ auf einer Angebotsseite zu verwenden, auf der Hilfestellungen bei der Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten geboten werden. Es müsse möglich sein, darauf hinzuweisen, dass das Kaufen von Diplomarbeiten nicht erlaubt sei.

Auch das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte zwei Wochen vor diesem Urteil ein ähnliches erlassen, als es das akademische Ghostwriting als „rechtlich missbilligte Leistung“ betitelte. Es geht in dem Urteil darum, dass die Leistungen eines Ghostwriters nicht zu Übungszwecken angeboten werden. Das dürfen sie natürlich, dennoch sei jedem Menschen bei klarem Verstand bewusst, dass es sich dabei nur um scheinbare Übungszwecke handeln könnte. Denn niemand würde rund 10.000 Euro für einen Text zahlen, den er nicht verwenden dürfte und der nur zum Üben geeignet sei. Es gehe ganz klar darum, mit solchen Texten akademische Titel zu erwerben, was als Betrug zu sehen ist. Schließlich hat der Betreffende die geforderte Leistung gar nicht erbracht.

Damit ist die Frage beantwortet, ob akademisches Ghostwriting erlaubt ist: Es ist erlaubt, wenn die jeweiligen Texte nicht verwendet werden! Das ist allerdings nicht Sinn der Dienstleistung, denn wer viel Geld für die Erstellung eines Textes zahlt, möchte diesen auch verwenden. Erschleicht sich damit aber jemand einen akademischen Titel oder auch nur das Bestehen einer Prüfung, gilt das als Betrug, der streng geahndet wird.

Sanktionen an der Universität

Die deutschen Universitäten gehen davon aus, dass sich die Betrugsfälle im Sinne von Plagiaten und Texten aus dem Ghostwriting im einstelligen Bereich befinden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, denn viele Studenten liegen richtig, wenn sie annehmen, dass ihr Betrug in der Masse untergeht. Fällt dem Prüfer jedoch dieser Betrug auf, wird er den Studenten im besten Fall zum Gespräch bitten und die Prüfungsleistung noch einmal nachfordern.

Die Universität kann aber auch wie folgt vorgehen:

  • Meldung des Betrugs an das Institut
  • klärendes Gespräch
  • Wiederholung des Semesters oder wenigstens des Seminars
  • wahlweise Exmatrikulation des Studenten
  • Bußgeld bis zu 50.000 Euro

Die meisten Universitäten sehen von den beiden letztgenannten Möglichkeiten ab und lassen die Studenten noch einmal antreten. Diese wiederholen das Seminar oder das ganze Semester und alle fälligen Prüfungsleistungen und können weiter studieren. Der Betrug bleibt als schlechte Erinnerung zurück, nicht als Schandfleck im Lebenslauf. Allerdings gibt es keine Vorgabe, die die Hochschule an ein mildes Vorgehen bindet, sie kann auch hart gegen Betrüger vorgehen und damit ein Exempel statuieren.

Video: Student gibt Betrug zu: Arbeit kam von Ghostwriter

Selbstüberschätzung bei Plagiaten

Im Falle eines Betrugs muss es sich nicht einmal um ein Plagiat handeln, wobei dieses besonders leicht herauszufinden ist. Der Prüfer muss einfach nur eine Passage des Textes bei Google eingeben und bekommt das Original angezeigt. Betrüger überführt! Hat der Student seine eigene Arbeit aus mehreren anderen zusammengeschrieben, kann es sein, dass sich der Schreibstil ähnelt. Er hat vielleicht einzelne Passagen übernommen oder nur wenig abgeändert, drückt sich in seinen eigenen Textteilen aber gänzlich anders aus. So etwas fällt auf und geht auch nicht in der Korrektur durch den Professor unter! Wird später ein Prüfungsgespräch durchgeführt, zeigen sich überdies schnell die fachlichen Lücken und dass der Student nichts vom Thema weiß. Auch hier wird die Prüfungskommission den Schluss ziehen, dass die schriftliche Arbeit ein Betrug war.

Allerdings ist es oft nicht ganz einfach zu bestimmen, ob jemand wirklich abgeschrieben hat und thematisch nicht eingearbeitet ist oder ob er sich sprachlich nur schlecht ausdrücken kann. Denn es ist eine Sache, einen Sachverhalt schriftlich wiederzugeben, zu erklären und tiefer in die Materie einzudringen. Es ist aber eine andere Sache, den gleichen Sachverhalt mündlich zu erklären und direkt auf Fragen einzugehen. Wer ein Problem mit Vorträgen und dem spontanen Antworten hat, kann durchaus in den Kreis der Verdächtigen gezogen werden: Vielleicht wurde diese Arbeit gar nicht selbst angefertigt? Scheinbar hat der Prüfling keine Ahnung vom Thema! Hier hilft nur der Lehrende weiter, der den Studenten bereits längere Zeit betreut und einschätzen kann, wie umfassend dessen sprachliche Ausdrucksfähigkeiten sind.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild:   TwilightArtPictures  -#01: Ton Snoei -#02: Jacob Lund

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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