Französische Regionen: Neu strukturiert für mehr Wachstum

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In Europa erstrecken sich die französischen Regionen der „Grande Nation“, über eine Fläche von insgesamt 543.965 Quadratkilometern. Frankreich ist damit eines der größten Länder des Kontinents.

Französische Regionen – der Überblick

Die französische Landschaft ist, genau wie die französische Kultur, ausgesprochen vielfältig: Von Ebenen und sanften, zumeist mit Weinreben bewachsenen Hügeln über beeindruckende Gebirgszüge bis hin zu breiten Stränden und zahlreichen sehenswerten Küstenabschnitten.

Einen wunderschönen Küstenabschnitt mit feinstem Sandstrand findet man zum Beispiel an der Reviera. (#1)

Einen wunderschönen Küstenabschnitt mit feinstem Sandstrand findet man zum Beispiel an der Reviera. (#1)

Ähnlich reichhaltig präsentierte sich – zumindest bis Ende des Jahres 2015 – auch die Einteilung des Landes in sogenannte Regionen sowie in noch einige weitere Verwaltungsebenen. Diese Gliederung hat Tradition: Vor der Verwaltungsreform und nach der Französischen Revolution im Jahr 1789 war Frankreich noch in diverse Provinzen unterteilt. 1789 teilte man dann das Landesgebiet in sogenannte Départements, die wiederum einige Jahre später weiter in Arrondissements untergliedert wurden. In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts schuf die französische Regierung dann noch die einzelnen Regionen – und davon nicht eben wenige. Aus sage und schreibe 22 Regionen bestand das europäische Gebiet Frankreichs seit den 1960er Jahren – hinzu kamen natürlich auch noch die fünf französischen „Außenposten“ in Übersee, „France d’outre-mer“ genannt:

  • Französisch-Guayana
  • Guadeloupe
  • Martinique sowie
  • Mayotte und
  • Réunion

Die Gesamtzahl der Regionen betrug also sogar 27.

Die Regionen sind sogenannte Gebietskörperschaften, das heißt, ihre Zuständigkeit und Mitgliedschaft bestimmt sich rein territorial und nicht aufgrund individueller Eigenschaften. Die Gebietshoheit beschränkt sich demnach jeweils auf einen räumlich begrenzten Teil des Staatsgebietes.

Französische Regionen – die Aufteilung in Départements

Die jeweiligen französischen Regionen waren wiederum in 96 Départements aufgeteilt – wobei die meisten Départements eine Fläche zwischen 4.000 und 8.000 Quadratkilometern und eine Bevölkerung zwischen 250.000 und einer Million Einwohnern hatten – und verfügten jeweils über ihre eigenen Hauptstädte. Weitere Verwaltungsebenen bildeten die bereits erwähnten Arrondissements und zusätzlich gab es Kantone (Cantons). Auf der untersten Ebene befinden sich dann auch noch die Gemeinden – alles in allem ein recht unüberschaubares, eng verflochtenes bürokratisches Konstrukt, das zudem noch riesige Verwaltungskosten aufwarf.

Die 22 französischen Regionen auf dem französischen Festland hießen bis vor Kurzem:

  • Auvergne
  • Basse-Normandie
  • Bretagne
  • Burgund
  • Centre
  • Champagne-Ardenne
  • Elsass
  • Franche-Comté
  • Haute-Normandie
  • Île-de-France
  • Korsika
  • Languedoc-Roussillon
  • Limousin
  • Lothringen
  • Midi-Pyrénées
  • Nord-Pas-de-Calais
  • Pays de la Loire
  • Picardie
  • Poitou-Charentes
  • Aquitanien und
  • Rhône-Alpes

Französische Regionen –
es gibt auch andere Aufteilungsmöglichkeiten

Frankreich lässt sich aufgrund der klimatischen und geografischen, aber auch aufgrund der zum Teil deutlichen kulturellen Unterschiede grob nach Himmelsrichtungen einteilen: Im Norden grenzt Nord-Pas-de-Calais mit seiner Hauptstadt Lille – europäische Kulturhauptstadt 2004 – an das Nachbarland Belgien. Von der Hafenstadt Calais aus führt der Kanaltunnel, den man mit dem Eurostar befahren kann, unter dem Ärmelkanal hindurch direkt nach Großbritannien. Im Norden Frankreichs befinden sich zudem die Basse-Normandie und die Haute-Normandie – zusammen die Normandie – mit den größeren Städten Caen und Rouen mit seinen berühmten Fachwerkhäusern. Die Normandie verfügt über insgesamt rund 650 Kilometer Küste.

In der Normandie kann man die schönsten Fachwerkhäuser Frankreichs bestaunen.(#2)

In der Normandie kann man die schönsten Fachwerkhäuser Frankreichs bestaunen.(#2)

Die Ile-de-France ist vor allem durch die quirlige Hauptstadt und den Regierungssitz Paris geprägt. Aber auch im Umland gibt es jede Menge zu entdecken – unter anderem Schlösser, Landsitze, herrliche Wälder und ausgedehnte Naturparks. Außerdem zählen noch die Picardie sowie das Anbaugebiet des weltberühmten Champagner, die Champagne-Ardenne, zu den nordöstlichen französischen Regionen. Ganz im Osten Frankreichs liegen dagegen die französischen Regionen Elsass mit der sehenswerten Stadt Straßburg und der berühmten Weinstraße, sowie Franche-Comté, ein Gebiet, das vor allem Naturfreunde anzieht, und Lothringen, das mit seinen zahlreichen Thermal- und Mineralwasserquellen punktet, im Nordosten.

Zu den südöstlichen Regionen zählen wiederum Rhone-Alpes mit der Großstadt Lyon und diversen Sterne-Restaurants von Weltruf sowie die bei Touristen so beliebte Mittelmeerinsel Korsika, die circa 200 Kilometer von der Cote d’Azur entfernt liegt.

Im Westen, auf der rauen Atlantik-Seite Frankreichs, finden sich die Bretagne mit ihren einmaligen klimatischen Verhältnissen und unvergleichlicher Natur, das Loire-Tal mit seinen zahllosen berühmten Loire-Schlössern und der Stadt Nantes sowie die Region Poitu-Charentes mit der alten keltischen Stadt Poitiers. Die beiden Regionen Midi-Pyrénées mit der Stadt Toulouse und Aquitanien mit der weltberühmten Weinregion Bordeaux liegen im Südwesten, die beiden südlichsten Regionen sind Languedoc-Roussillon mit der malerischen Studentenstadt Montpellier und Provence-Alpes-Cote-d’Azur mit der Hafenmetropole Marseille. Perpignan, die am südlichsten gelegene Stadt Frankreichs, die sich nur 30 Kilometer entfernt von der spanischen Grenze befindet, liegt ebenfalls in Languedoc-Roussillon.

Perpignan, mit seiner wunderschönen Burg, ist die südlichste Stadt Frankreichs. (#3)

Perpignan, mit seiner wunderschönen Burg, ist die südlichste Stadt Frankreichs. (#3)

Im Zentrum Frankreichs findet sich das Burgund, das nicht nur einen exzellenten Ruf wegen seiner Weine genießt, sondern auch für seine zahlreichen Schlösser, Kirchen und Klöster berühmt ist. In der Region Centre wiederum befindet sich außerdem die historisch bedeutende Stadt Orléans. Die Auvergne mit der Stadt Limousin liegen in der Gebirgsregion Central Massif und bildet ziemlich genau das geografische Zentrum Frankreichs. Diese Regionen, die zum Teil zwar rein geografisch nahe beieinander liegen, unterscheiden sich oft kulturell ganz erheblich. Auch deshalb stieß die Regierung mit ihrer Gebietsreform nicht überall auf große Begeisterung.

Französische Regionen – die Gebietsreform

Mit der Verabschiedung einer einschneidenden Gebietsreform am 17. Dezember 2014 hat die französische Nationalversammlung in Paris nämlich beschlossen, die Zahl der Regionen auf dem französischen Festland radikal von 22 auf 13 zu reduzieren. Folgende Regionen wurden nach einigem Hin und Her letztlich fusioniert:

  • Elsass, Lorraine und Champagne-Ardenne
  • Nord-Pas-de-Calais und Picardie
  • Bourgogne und Franche-Comté
  • Haute-Normandie und Basse-Normandie
  • Rhône-Alpes und Auvergne, Midi-Pyrénées und Languedoc-Roussillon
  • Aquitaine, Limousin und Poitou-Charentes.
  • Unverändert blieben dagegen die Regionen: Bretagne, Corse (Korsika), Ile-de-France, Centre, Pays de la Loire, Provence-Alpes-Côte d’Azur.

Die neuen französischen Regionen – Stimmen dagegen

Gegen die Zusammenlegung bestimmter Regionen und vor allem darum, welche Regionen jeweils zusammengelegt werden sollten, gab es viele Diskussionen, Meinungsver-schiedenheiten und Proteste einzelner Gruppierungen in Frankreich. Besonders in der Region Elsass protestierten beispielsweise zahlreiche Menschen – letztlich erfolglos – da sie durch die erzwungene Fusionierung mit wirtschaftlich schwächeren Nachbarn Einbußen bei Steuereinnahmen sowie einen Identitätsverlust befürchteten. Zur Erklärung: Das Elsass gilt als eine der wohlhabendsten Regionen Frankreichs, ganz im Gegensatz zu Lothringen und der überwiegend ländlich geprägten Champagne.

Der Elsass zählt zu den reichsten Regionen in Frankreich. (#4)

Der Elsass zählt zu den reichsten Regionen in Frankreich. (#4)

Insgesamt stellte die Aufteilung in derart viele territoriale Regionen ein relativ schwer überschaubares Konstrukt dar, das den Staat nicht nur sehr viel Geld kostete, sondern der aktuellen Regierung in Frankreich auch im Hinblick auf die Wirtschaftskraft nicht mehr zeitgemäß erschien. Die Gebietsreform stellte nach dem im Januar 2014 in Kraft getretenen Gesetz zur Neuordnung der Territorialverwaltung und zur Stärkung der Metropolen einen weiteren wichtigen Schritt zur Modernisierung Frankreichs dar – so sieht es zumindest die derzeitige Regierung. Staatspräsident Francois Hollande verkündete, dass durch die Reduzierung der Regionen in Zukunft jede verbleibende Region erweiterte Zuständigkeiten und Mittel erhalten solle, unter anderem, um wachstumsfördernde Wirtschaftsstrategien umsetzen zu können. Wichtige Bereiche wie Wirtschaftsförderung, Fortbildung und Beschäftigung sowie Fragen zu Infrastruktur, Verkehr und Schulen sollen in Zukunft entweder komplett oder zumindest zu größeren Teilen in den Händen der einzelnen Region liegen – ähnlich wie bei den deutschen Bundesländern. Dafür werden eigene finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, über die die jeweils gewählten parlamentarischen Instanzen die Entscheidungsgewalt haben.


Bildnachweis: © Shutterstock – Titelbild Brian Kinney, #1 Boris Stroujko, #2 canadastock, #3 Alex Tihonovs, #4 leoks,

Über 

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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