Run auf Konten und Kassen - Göttinger Gruppe kurz vor der Insolvenz?

12.09.2006 | Bremen
Eine Flut von Pfändungen durch geschädigte Anleger, die ihre Schadensersatzansprüche titulieren konnten, bringt den Finanzkonzern der Göttinger Gruppe in arge Bedrängnis. "Wir erleben gerade einen beispiellosen Run auf die Konten und Kassen der Firma", berichtet Karine Guilleaume de Acosta von der Anlegerschutzkanzlei Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft (HRP).

"Im Gegensatz zu anderen Kanzleien konnten wir für unsere Mandanten die Gelder noch eintreiben."

Während Anwälte das Firmengeflecht der Gruppe nach Pfändbarem durchleuchten, versucht das Unternehmen, mit Winkelzügen den Zwangsvollstreckungen auszuweichen. "Viele Anleger haben zwar Recht, aber kein Geld bekommen - weil die Kassen der Göttinger Gruppe scheinbar leer sind und juristisch oft wenig Handhabe zur Zwangsvollstreckung bleibt", berichtet Anwältin Guilleaume de Acosta, die bei HRP zahlreiche Prozesse für Anleger gegen die Göttinger Gruppe führt. "Die von uns erzielten Vergleiche und erstrittenen Urteile werden nach wie vor bedient. Wir haben da die geeigneten Mittel und Wege gefunden", so Frau Guilleaume de Acosta weiter.

Nach über 400 Vorpfändungen und Pfändungen mit einem Volumen von mehr als 4,6 Millionen Euro hat die Hausbank der Göttinger Gruppe ein zentrales Konto gekündigt. Es wies nur noch eine Deckung von 160.000 Euro auf. Mit der Auszahlung des Guthabens an zwei vorrangige Gläubiger gingen die restlichen Pfändungen ins Leere.

Weitere Pfändungen will die Göttinger Gruppe jetzt durch Einrichtung eines Treuhandkontos bei der Kreissparkasse Eichsfeld in Thüringen verhindern. Als Treuhänder agiert ein Göttinger Rechtsanwalt, der dem Kreis um die Göttinger Gruppe zuzuordnen ist.

Anlegerschützer warnen seit Jahren vor den Angeboten der Göttinger Gruppe. Vor Gericht haben Sparer gute Chancen, da sie in der Regel von für den Konzern tätigen Vermittlern vollkommen unzureichend über die Risiken ihrer Kapitalanlage aufgeklärt worden sind.

Richtig in Schwung kamen die etwa 5.000 Klageverfahren durch anlegerfreundliche Urteile des Bundesgerichtshofes im vergangenen Jahr.

Der Finanzkonzern der Göttinger Gruppe war in den neunziger Jahren der größte Anbieter von atypisch stillen Beteiligungen. Das Untenehmen hat Schätzungen zufolge von über 100.000 Anlegern gut eine Milliarde Euro eingesammelt. Etwa 10.000 Anleger leisten weiterhin Ihre Einlagen. Auch diese Anleger haben nach Einschätzung von HRP noch Chancen, ihr eingesetztes Geld zurückzubekommen.

Quelle: Pressemeldung Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft

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