EU-Richter: Machtwort für Naturschutz

14.01.2010 | Berlin
WWF fordert zügige Ausweisung der Region Unterems als FFH-Schutzgebiet

Der Europäische Gerichtshof hat heute entschieden, dass die Auswahl von Naturschutzgebieten im Rahmen des gemeinsamen EU-weiten Schutzgebietsnetz ausschließlich nach Naturschutzkriterien erfolgen darf. Die Gebietsausweisung darf nach Beschluss der EU-Richter nicht aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen verweigert werden. Der WWF begrüßt die Entscheidung des höchsten europäischen Gerichts als klares Bekenntnis zum Naturschutzprinzip und fordert das Verwaltungsgericht Oldenburg und die Bundesregierung auf, jetzt die erforderlichen Schritte zur Ausweisung zügig einzuleiten. Die Stadt Papenburg hatte gegen die Listung des Schutzgebiets in Brüssel Klage erhoben, weil sie als Werftstandort wirtschaftliche Nachteile befürchtete.

"Hier ist endlich ein längst fälliges Machtwort für den Naturschutz gesprochen worden, das sich nicht auf die Unterems beschränkt " sagte Uwe Johannsen, Naturschutzexperte des WWF. Diese Grundsatzentscheidung habe Signalwirkung auch für die Flussmündungen von Elbe und Weser sowie für andere europäische Schutzgebiete. "Mit dem Urteil ist der Blockadepolitik ein Riegel vorgeschoben worden und das Gebiet der Unterems muss nun schnell als schützenswerte Naturregion nach der EU-Habitatrichtlinie ausgewiesen werden" sagte Johannsen weiter. Dazu sei das Verwaltungsgericht Oldenburg nun aufgefordert, zügig ein Urteil zu sprechen und den Weg für die Ausweisung des Gebiets freizumachen. An die Bundesregierung richtet sich die Forderung, der EU-Kommission schnellstmöglich ihr Einvernehmen zur Listung der Region als besonders schützenswertes Gebiet zu erteilen.

Zur Frage der regelmäßigen Flussvertiefungen der Ems, betonte das Gericht ausdrücklich die Pflicht, Verschlechterungen der natürlichen Lebensräume im Schutzgebiet und Beeinträchtigungen der dort lebenden Arten zu vermeiden. Dies gelte auch, wenn eine FFH-Verträglichkeitsprüfung der Baggerarbeiten aus formalen Gründen nicht erforderlich sein sollte. "Eine strengere Prüfung der Ausbaggerungen ist die logische Konsequenz" sagte WWF-Naturschutzexperte Uwe Johannsen "Es ist nicht vorstellbar, dass die bisherige Vertiefungspraxis, die zur Verschlickung und Sauerstoffverknappung in der Ems geführt hat, mit den Schutzzielen eines FFH Gebiets vereinbar ist."

Die Umweltverbände WWF, BUND und NABU suchen seit einiger Zeit gemeinsam mit der in Papenburg ansässigen Meyer Werft und den zuständigen Behörden nach nachhaltigen Lösungen zur Renaturierung der Unterems. "Wir wollen, dass die Ems wieder ein lebendiger Fluss wird und sich die Werft in Papenburg entwickeln kann. Es ist nicht einfach, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte unter einen Hut zu bekommen, aber der eingeschlagene Weg zur Zusammenarbeit ist der einzige erfolgversprechende", ist Johannsen überzeugt. Das Urteil aus Brüssel verpflichte die Akteure zum Erfolg.

Quelle: Pressemeldung WWF Deutschland

Dieser Beitrag wurde bisher 160 mal gelesen.
(Rang 125 auf gerichte-und-urteile.de)

Klicken Sie hier um zum Anfang der Seite zu gelangen.

Weitere News

Preistransparenz bei Call-by-Call: Verbraucher werden endlich vor Abzocke geschützt

03.11.2011 | Mit dem neuen Telekommunikationsgesetz sollen die Rechte der Verbraucher gestärkt werden. Beim Thema...

weiter in Preistransparenz bei Call-by-Call: ...

Urteile im IT-Recht

23.09.2011 | Anwälte, die sich mit dem IT-Recht, dem sogenannten Informationstechnologierecht, auskennen und hier mit auch...

weiter in Urteile im IT-Recht ...

Wirkstoffverordnung bringt Patienten keine Vorteile - weiterhin Regressgefahr für Hausärzte

20.09.2011 | "Apotheker und Hausärzte arbeiten bei der Arzneimittelverordnung vor Ort eng im Sinne der Patienten zusammen...

weiter in Wirkstoffverordnung bringt ...

Kommunen und Mittelständler haben bei Zinsswapgeschäften gute Chancen auf Schadensersatz

08.04.2011 | Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einem Urteil vom 22. März 2011 - XI ZR 33/11 - die Deutsche Bank wegen...

weiter in Kommunen und Mittelständler haben ...

Zur polizeilichen Ingewahrsamnahme eines Beschuldigten

06.04.2011 | Die Beschwerdeführer betraten zusammen mit einer Gruppe von etwa 100 Personen aus dem Umfeld der sogenannten...

weiter in Zur polizeilichen Ingewahrsamnahme ...



Aktuelles

Preistransparenz bei Call- by- Call: Verbraucher werden endlich vor Abzocke geschützt

Mit dem neuen Telekommunikationsgesetz sollen die Rechte der...

weiter ...

Urteile im IT- Recht

Anwälte, die sich mit dem IT-Recht, dem sogenannten...

weiter ...

Neuigkeiten

Mietrecht muss klimafreundlich und sozial gerecht sein

Zum Referentenentwurf der Bundesregierung für ein "Gesetz...

weiter ...

Ego- Googeln liegt im Trend

Zwei Drittel der Internetnutzer haben sich schon selbst...

weiter ...

Weitere Themen

Unschuldsvermutung muss auch für BA- Mitarbeiter gelten

In seiner gestrigen Ausgabe berichtete das ARD-Magazin...

weiter ...

BITKOM startet Aktivitäten in Hessen

Auftaktveranstaltung beschäftigt sich mit Cyber-Sicherheit...

weiter ...

Archiv

Lammert und Voßkuhle diskutieren über Verfassungsgericht und Gesetzgeber

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "W-Forum" diskutieren...

weiter ...

BITKOM und LKA NRW schließen Kooperationsvereinbarung

Der Hightech-Verband BITKOM und das Landeskriminalamt...

weiter ...

Verschiedenes

Nutella- Etikett kann Verbraucher in die Irre führen

Die Vitamin- und Nährwertangaben sind auf dem Nutella-Glas...

weiter ...

Roland Reuß: DFG legt detaillierte Stellungnahme zu Angriffen in FAZ- Beiträgen vor

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sieht sich seit...

weiter ...